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Dieser Blick. Mary begegnete ihm nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Ein
klarer, harter, aber unbeteiligter Blick. Mit Sicherheit die arrogantesten
Blauaugen zwischen Lands-End und dem aeussersten Zipfel Schottlands. Aber
ungemein interessant …
Seit er ins Flackerlicht der Londoner Nobeldiskothek in der Hyatt Street
getreten war, hatte ihn Mary nicht mehr aus den Augen gelassen. Mal etwas
anderes. Schnieke Popper und schockfarbene Punker gab es schliesslich an
jeder Strassenecke. Extremer Einheitslook einer uniformen Gesellschaft.
Dafuer war kein Platz in Marys ausgezeichneter Erziehung. Behuetete
Kindheit, Privatschulen und das Studium an der Oxford-University hatten
Modetrends und Traeger endgueltig degradiert.
Keine Chance fuer Nachlaeufer. Das wurde allen zeitweiligen Begleitern
zwangslaeufig klar: Mary war anspruchsvoll. In jeder Beziehung. Sie kannte
fast jeden Winkel der Erde von ausgedehnten Reisen in Begleitung ihrer
Eltern, sie kannte die besten Lokale von diversen Einladungen wechselnder
Verehrer und sie kannte auch danach alle Tricks, die Anwaerter beiderlei
Geschlechts anwanten, um bei Mary mehr als nur kurzzeitigen Eindruck zu
hinterlassen. Denn Mary war eines jener Maedchen, fuer das jeder, der nur
in Sichtweite kam, die besten Jahre seines Lebens opfern wuerde. Und es
hatte schon viele Opfer gegeben. Haare wie nachtschwarze Seide, eine Figur,
die selbst sittenstrenge Gottesdiener begeistert in die Suende treiben
wuerde, und das alles von einem Laecheln veredelt, das Kriege verhindern
oder entfachen koennte.
Mary war schoen. Und sie wusste das. Eine gefaehrliche Kombination. Keiner
konnte dem lange genug wiederstehen. Alle hatten sich nach kurzer Zeit in
winselnde Bittsteller verwandelt, die um ein klein wenig Liebe flehten. Sie
hasste sie alle. Es war immer dasselbe und es wurden immer mehr. Aber mit
jedem Neuen wuchs Marys Hass. Und allmaehlich kam eine seltsame Art Freude
auf. Sie begann, die sklavische Abhaengigkeit ihrer Verehrer zu lieben. Und
zu hassen. Gleichzeitig und mit zerstoererischer Intensitaet.
Langsam aber war der Funke erloschen. Gleichgueltigkeit. Die ewig
langweiligen Feste feister Freunde, Abende zwischen Langeweile und Ekel.
Und jetzt er.
Noch nicht einmal hatte er in ihre Richtung gesehen. Sein Blick schien die
Menschen auf der Tanzflaeche nicht einmal wahrzunehmen. Dieser Blick — er
musste irgendwo weit hinter den Augen entstehen. Lange, gepflegte Finger
umschlossen ein Glas. Es war leer. Er schien es nicht zu bemerken. Am
schwarzen Nadelstreifenanzug, sicher vom besten Schneider der Londoner
Saville Road, glitzerte ein metallisches Emblem im Licht der Neonroehren.
Ein winziger Schluessel?
Da langsam, ganz langsam wandte er die Augen in ihre Richtung, wild
flackernde Lichtreflexe in den hellblonden Haaren, die Augen kalt,
unbeteiligt, unheimlich.
Mary wusste nicht, wie lange sie diesen Augen standgehalten hatte. Wie
durch einen Vorhang sah sie ihn, wie er einem Maedchen am selben Tisch
etwas zusteckte und dann wieder in Gedanken versank, unbeteiligt,
unheimlich.
„Entschuldigen Sie bitte!“
Die zarte Maedchenstimme drang kaum durch den Hoellenlaerm donnernder
Tanzmusik. Der Plattenspieler hatte eine weitere Schmerzschwelle gnadenlos
ueberschritten, der Boden bebte im Rhythmus, die Glaeser an der Bar
klirrten im Takt.
„Bitte sehr!“
Das Maedchen schob eine schmale Karte in Marys Hand. Zwei Zeilen einer
eleganten Handschrift:
„Ich erwarte Sie morgen frueh in Sutmore Close auf Walnut Island.“
Kein Name, nur ein kleiner, goldener Schluessel am unteren Ende.
„Hallo, Sie!“
Aber das Maedchen war schon wieder verschwunden. Auch er war nicht mehr da

Sutmore Close — allzuviel war auf der verwitterten Metalltafel nicht mehr
zu erkennen. Jahrzehnte hatten sie zernagt. Dicke Steinquader, dazwischen
ein schweres, schmiedeeisernes Tor. Darunter Lautsprecher und Klingelknopf
einer modernen Sprechanlage.
„Sie wuenschen?“
„Guten Tag, mein Name ist Mary Ralston. Ich werde erwartet.“
„Bitte kommen Sie herein.“
Lautlos schwang das Tor nach rechts und gab einen feingeharkten Kiesweg
frei. Zwischen uralten Eichen im fahlen Lichtschein, dahinter mehrere
erleuchtete Fenster, ein grosses, duesteres Anwesen mit breitem,
geschwungenen Aufgang. Die gewaltige Eingangstuer stand weit offen.
Vorsichtig stieg Mary die steinernen Stufen herauf. Ihre spitzen Absaetze
erzeugten ein hohles Geraeusch, das von den Waenden gespenstisch
zurueckklang. Nicht gerade einladend — aber Mary hatte schon ganz andere
Situationen erlebt.
„Guten Abend, fuehren Sie mich bitte zu …“
Die Ueberraschung liess ihre Stimme stocken. Statt livriertem Butler stand
im erleuchteten Eingang ein Maedchen. Gross und schlank, die Laenge ihrer
atemberaubenden Beine noch durch hochhackige Schuhe betont. Doch das war
nicht das Erstaunlichste: das Maedchen war in ein bizarres Kleidungsstueck
geschnuert, eine Art Corsage aus schwarzem Leder, die bis zu den Knien
hinabreichte und sie zwang, sich mit kleinsten Schritten zu bewegen. Die
zerbrechliche duenne Taille war so brutal zusammengezogen, dass die
ueppigen Brueste ueber den oberen Rand der Corsage in ausgearbeitete
Koerbchen gepresst wurden. Sie hoben und senkten sich bei jedem Atemzug.
Die Arme des Maedchens steckten in langen schwarzen Handschuhen, die ihr
fast bis an die Schulter reichten. Um den schmalen Hals trug sie ein
staehlernes Halsband, sehr breit und dick, ohne erkennbaren Verschluss, mit
abgerundeten Kanten, an dem vorne ein massiver Ring befestigt war.
Und in der ganzen Aufmachung schien sie sich auch noch wohlzufuehlen! Sie
laechelte — war das nicht das Maedchen, das gestern in der Diskothek die
Karte ueberbracht hatte?
„Folgen Sie mir bitte. Wir warten bereits.“
„Sie warten …“, aber da hatte sie schon eine eichene Tuer geoeffnet und
mit wiegenden Hueften den naechsten Raum erreicht.
„Guten Abend, mein Fraeulein.“
Aus einem der schweren Ledersessel hatte sich eine Gestalt erhoben, ein
Glas in der Hand, den klaren, durchdringenden Blick direkt auf Marys Augen
gerichtet.
„Ich freue mich, Sie wiederzusehen. Und ich darf bei Ihnen dieselben
Gefuehle voraussetzen. Bitte setzen Sie sich und hoeren genau zu, denn was
ich Ihnen jetzt zu sagen habe, werde ich nicht wiederholen. Und es wird Ihr
Leben vollstaendig veraendern. Reden sie nicht. Noch nicht …
Ich habe ueber Sie Erkundigungen einziehen lassen, ueber Ihre Eltern, Ihre
Freunde, Ihre Verhaeltnisse, nicht einmal Ihre versteckten Geheimnisse sind
mir verborgen geblieben. So weiss ich, dass Sie fuer das, was ich mit Ihnen
beabsichtige, ausgezeichnete Voraussetzungen bieten. Caroline hat Ihnen ja
bereits einen kleinen Vorgeschmack geboten.“
Mit einer knappen Handbewegung wies er auf die zierliche Gestalt, die
bewegungslos in einer dunkleren Ecke des Raumes wartete.
„Ja, aber wie kommen Sie … ?“
„Wie ich darauf komme, dass bedingungslose Unterordnung einer Ihrer
geheimen Wuensche ist? Ich habe Sie analysieren lassen. Mit recht
aufschlussreichen Ergebnissen. Die moderne Psychologie verfuegt heutzutage
ueber Mittel und Methoden. Aber genug davon. Ich weiss, dass Sie in naher
Zukunft keinerlei Verpflichtungen oder Verabredungen haben. Ihren Eltern
erzaehlen Sie zunaechst von einem Urlaub in der Karibik — den Sie ohnehin
schon lange planen. Und jetzt … erklaeren Sie sich bereit!“
Der kalte, unnachgiebige Blick drang direkt in Marys Unterbewusstsein,
loeschte jede Weigerung, bezwang den Willen und hinterliess ein dumpf
flackerndes Gefuehl. Neugier? Angst? Wahrscheinlich beides. Da war die
Gefuehlsrichtung einerlei. Es passierte etwas. Egal was.
Und es passierte, ohne dass sie darueber eine direkte Kontrolle ausueben
konnte. Ein eigenartiger Moment. Aber neu und ungewohnt.
Ploetzlich wurde sie an beiden Armen gefasst und aus dem Sessel gezogen.
Nicht brutal, aber bestimmt und ohne Widerspruch zuzulassen. Ein zweites
Maedchen, wie Caroline in eine lange, schwarze Ledercorsage geschnuert und
auf hochhackigen Schuhen taenzelnd. Wie in Trance sah sich Mary aus dem
Zimmer geleitet, einen hell erleuchteten Gang entlang, dann in einen
weiteren Raum mit gepolsterter Tuer.
„Wir werden Sie jetzt fuer die Nacht vorbereiten. Haben Sie keine Angst.“
Hinter der Tuer war absolute Dunkelheit. Und bevor sich Marys Augen daran
gewoehnen konnten, hatte das Maedchen ihr eine Kapuze ueber den Kopf
gezogen. Nein, das war keine Kapuze, eher eine engsitzende zweite Kopfhaut,
die sich immer knapper ueber die Augenlider, die Lippen, ueber den ganzen
Kopf legte. Marys langes, schwarzes Haar war durch eine Oeffnung nach
hinten zu einem Pferdeschwanz gefasst, unter dem Caroline die Schnuerung
von oben nach unten zuzog. Der Lederhelm war anhand von Fotografien exakt
Marys Gesichtskonturen angepasst. Blind, taub und stumm konnte sie nur noch
erahnen, wie die letzten Zentimeter festgezogen und die Maske mit einem
kleinen Schloss gegen unberechtigtes Oeffnen gesichert wurde.
Jetzt war sie hilflos, ausgeliefert einer fremden Phantasie. Ohne dass sie
sich dagegen zur Wehr setzen konnte, spuerte sie, wie sich viele Haende an
den Knoepfen ihrer Seidenbluse zu schaffen machten und einen nach dem
anderen langsam oeffneten. Dann streifte sie jemand mit sanfter Gewalt
ueber ihre nach hinten gebogenen Arme. Fast gleichzeitig glitt ihr Rock
nach unten, zarte Finger loesten die Klipse des Strumpfguertels, den
Verschluss ihres Buestenhalters. Das Hoeschen wurde einfach zerschnitten.
Jetzt war Mary nackt — bis auf die Ledermaske, die gerade genuegend Luft
durch die kleine Oeffnung an der Nase, aber sonst weder Licht noch
Geraeusche durchliess. Wieder wurde sie von zarten Haenden ergriffen und
wenige Schritte durch den unbekannten Raum gefuehrt. Irgend etwas schien
sich ueber ihrem Kopf abzuspielen, aber sie konnte den Sinn und Zweck der
Aktion nicht genau lokalisieren.
Ploetzlich spuerte sie eine Kraft, die sie unnachgiebig nach oben zog -nicht viel, nur so wenig, dass sie auf Zehenspitzen stehen musste. Jetzt
war sie unfaehig, auch nur einen Schritt auszuweichen. Da — wieder eine
Beruehrung. Diesmal flaechig, von der Ferse bis zum Hals eine einzige kalte
Wand. Mary erschauerte. Was hatte man mit ihr vor? Auf einmal schien die
kalte Wand um sie herum zuzuklappen, jetzt wurden ihre Arme an den Koerper
gepresst.
Das war keine Wand. Es musste eine genau angepasste Lederhuelle sein, in
die sie immer fester eingeschnuert werden sollte! Schon waren ihre Beine
bewegungslos, jetzt nahm der Druck auf die Arme zu. Die Lederhuelle war
anscheinend mit stabilen Laengsstreben versehen — Mary spuerte, wie sie
unnachgiebig geradegezogen wurde. Schliesslich liess der Zug an der Maske
nach. Im ersten Moment durchzuckte Mary nur ein Gedanke: „Ich falle!“ Aber
die versteifte Lederhuelle liess sie langsam nach hinten kippen, bis sie
von vielen Haenden aufgefangen und auf eine weiche Unterlage getragen
wurde.
Der erste Gedanke war: „Ich muss wohl getraeumt haben.“ Doch schon der
zweite machte Mary unmissverstaendlich klar, dass hier alles Realitaet war.
Sie fand sich unfaehig, auch nur den kleinen Finger zu ruehren. Trotzdem
war sie allem Anschein nach eingeschlafen, eingeschnuert in einen
Lederkokon, der sie voellig bewegungslos in einen tiefen Schlaf gezwungen
hatte. Doch jetzt schien die Nachtruhe beendet: die Schnuerung liess nach,
zuerst an den Beinen, dann konnte sie auch ihre Arme wieder ausstrecken.
Ein unbekanntes Gefuehl der Leichtigkeit durchstroemte Mary, es war wie
federleichtes Schweben.
Herrlich!
Aber es sollte nicht lange dauern …
Mary erwachte. Ganz langsam, fast zaghaft versuchte sie, einen klaren
Gedanken zu formen. Doch die Traeume der letzten Nacht behielten die
Oberhand. War das alles womoeglich doch ein Traum gewesen, ein Gespinst aus
geheimen Sehnsuechten und unerfuellten Wuenschen? Die seltsame Begegnung im
naechtlichen London, das duestere Schloss, der Empfang durch die bizarr
gekleidete Dienerin. Hatte sie das alles nur getraeumt?
„Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Nacht!“
Mary oeffnete die Augen. Da stand er. Jeder Zentimeter laechelnde
Realitaet, nicht die kleinste Moeglichkeit, auch nur einen Moment ins
Traumland zu fluechten. Es war also Wirklichkeit!
„Es tut mir nicht im Geringsten leid, Ihnen ueber Nacht derartige Umstaende
bereitet zu haben.“
Er wies, immer noch laechelnd, auf den Lederkokon, der schwarz glaenzend in
einer Zimmerecke lag, die zweite Haut, in die Mary die Nacht ueber
eingeschnuert gewesen war.
„Und ich bin sogar sicher, dass Sie meine Ansicht teilen.“
Mary schwieg. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie nackt war. Nackt
auf seidener Bettwaesche, schonungslos seinen Blicken preisgegeben. Ein
kurzer Schauer ueberlief ihren makellosen Koerper.
„Dies ist Ihr Zimmer. Das Personal wird Ihnen beim Ankleiden helfen. Bitte
beeilen Sie sich.“
Die schwere Tuer schloss geraeuschlos. Jetzt erst bemerkte Mary die
prunkvolle Ausstattung des Zimmers, weiss und gold in allen denkbaren
Variationen, kunstvolle Schnitzereien an wertvollen antiken Moebeln, der
Fussboden aus weissem Cararra-Marmor. Der Herr hatte Geschmack. Zumindest
sein Innenarchitekt, doch spaetestens an den grossen Fenstern, die auf
einen scheinbar endlosen Park fuehrten hatte der Zweck die Kuenste
beleidigt — phantasievoll verziert zwar, aber dennoch von brutaler
Stabilitaet, liess ein Gitternetz aus Schmiedeeisen keinen Zweifel daran,
dass die Bewohnerin des Zimmers in dieser Richtung keinen Ausgang zu
erwarten hatte.
Und durch die Tuer?
Mary starrte auf das, was soeben durch den goldenen Tuerrahmen geschritten
war: Zwei Maedchen in aehnlicher Aufmachung wie am ersten Abend, auf
bleistiftduennen Stoeckelschuhen, die den trippelnden Schritten gerade
genug Halt boten, die derart verlaengerten Beine in Kniehoehe durch den
unteren Abschluss der engen Ledercorsage dicht zusammengehalten, in der
Taille unnachgiebig geschnuert, die vollen Brueste nach oben gepresst und
durch einen Lederriemen geteilt, der an einem staehlernen Halsband
angebracht war. Kuenstliche Geschoepfe aus einer anderen Welt.
Doch das Merkwuerdigste war — sie hatten keinen Mund! Unter den
faszinierend geschminkten Augen wurde das ebenmaessige Makeup nicht einmal
durch eine winzige Andeutung unterbrochen. Die beiden stummen Dienerinnen
bedeuteten Mary, ihnen durch eine Seitentuer zu folgen, die in ein weiteres
Zimmer fuehrte, das offensichtlich einem orientalischen Baderaum
nachempfunden war. Der Duft schweren Parfuems durchzog das schwuelwarme
Innere. Wie auf ein geheimes Zeichen legten sich zwei abgerundete
staehlerne Armreifen um Marys Handgelenke. Sie hatte, gefangen vom Anblick
dieser Maerchenszenerie nicht mehr auf ihre Begleiterinnen geachtet. Sanft
zogen diese Marys Arme nach vorne, leise schnappten zwei Oesen ineinander,
eine Kette wurde eingehakt und langsam nach oben gezogen. Dann begannen die
beiden stummen Schoenen behutsam, Marys Koerper mit einer undefinierbaren
Substanz einzureiben, Gesicht, Kopfhaut, Haende, Beine, jeden Zentimeter.
Was hatte das zu bedeuten? Marys leiser Protest verklang unbeantwortet.
Einige Minuten spaeter wurde sie mit warmen Wasser uebergossen, ein
gewaltiger Schwall, der sie kaum zu Atem kommen liess. Und jetzt sah sie,
was die Substanz bewirkt hatte: saemtliche Haare hatten sich geloest, auch
die Haare ihres Venushuegels lagen ihr zu Fuessen. Jetzt war sie nackter
wie nie zuvor und den Traenen nahe.
„Was tut ihr mit mir? Warum das alles?“
Keine Antwort, nur die zaertlichen Bemuehungen der beiden stummen
Dienerinnen, auch das letzte Troepfchen Wasser in die flauschigen Tuecher
zu tupfen. Mit immer noch hochgezogenen Armen sah Mary, wie die Maedchen
begannen, sie anzuziehen. Eine der beiden oeffnete eine konturierte
schwarze Huelle, eine Corsage, aehnlich ihrer eigenen, passten sie Marys
ohnehin ausgezeichneten Koerperformen an und zogen langsam und unnachgiebig
zu.
Mary spuerte, wie ihr das ungewohnte Kleidungsstueck mehr und mehr den Atem
nahm, die Taille zusammenpresste und den Beinen immer weniger
Bewegungsfreiheit liess. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Zug an
ihren Haenden nachliess und die beiden ein enganliegendes Satinkleid ueber
ihren straff geschnuerten Koerper zogen, das bis fast zum Boden reichte und
im Ruecken nochmals verschnuert wurde. Es war weiss, glaenzend weiss, und
die Umrisse, die Mary beim Blick in einem der vielen Spiegel wahrnahm,
schimmerten unirdisch. Es war schoen. Schrecklich schoen. Grausam schoen.
Sanft fuehlte sie sich auf eine seltsame Liege gezogen, die Arme und Beine
in Klammern festgehalten, den Kopf sacht, aber bestimmt auf die
Liegeflaeche gedrueckt. Wieder begann eine der Dienerinnen, eine Substanz
auf Marys Gesicht zu verteilen. Die staehlernen Klammern verhinderten jeden
Fluchtversuch. Dann glitt eine Beruehrung ueber Marys Mund, eine duenne
Haut, die kundige Finger unter der Nase und ueber die Wangen glattstrichen.
Jetzt war Mary stumm, unfaehig, auch nur ein Wort ueber die versiegelten
Lippen zu bringen. Sie hatte Angst. Angst vor dem, was noch kommen wuerde.
Aber eine Angst, die seltsamerweise der Neugier wich. Sie spuerte wie
Makeup aufgelegt wurde, duenne Pinselchen die Wimpern faerbten, andere die
Fingernaegel lackierten. Dann oeffneten sich die Klammern. Weisse Pumps mit
erregend hohen Absaetzen standen bereit, die „Besichtigung“ durch den Herrn
und Meister schien angesagt.
Mary wusste nicht mehr, durch wieviele Tueren sie gegangen waren, in wie
vielen Gaengen das tickende Geraeusch ihrer Absaetze auf dem marmornen
Fussboden geklungen hatte. Das Anwesen musste ausgedehnte unterirdische
Raeume besitzen. Sie waren viele Stufen hinuntergeschritten, was Mary
anfangs einige Schwierigkeiten bereitet hatte. Doch die beiden
Begleiterinnen liessen ihr keine Wahl.
Man fuehrte sie in eine grosse Halle, hinter schweren Samtvorhaengen keine
Fenster, im gewaltigen Kamin ein prasselndes Holzfeuer, ringsum wertvolle
Buecher und Folianten in verzierten Regalen und Schraenken, kostbare
Gemaelde mit finsteren Motiven – ein Raum, der Ehrfurcht gebieten sollte.
Und es auch tat. Mary musste in einem schweren Lederfauteuil Platz nehmen,
ein Stahlring wurde um ihren schmalen Hals gelegt, der mit einer kurzen
Kette an einem Ring der Sessellehne befestigt wurde. Dann verschwanden die
beiden Dienerinnen geraeuschlos.
Mary versuchte nicht, gegen den Druck der Corsage, die Gewalt der
Stahlringe anzukommen. Sie war dem Willen dieses Mannes hoffnungslos
ausgeliefert: Sklavin seiner Phantasie. Und sie verspuerte zum ersten Mal
den Anflug eines vollkommen neuen Gefuehls, die Sinnlosigkeit eigenen Tuns
durch vollkommene Unterwerfung — und damit einer Art besonderer Freiheit.
Paradox … aber gerade fuer Mary ein tiefgreifendes, voellig unbekanntes
Erlebnis. Die Last der Selbstverantwortung war gewaltsam von ihr genommen
worden — und sie genoss es. Sie konnte sich kaum bewegen, kein Wort
sprechen – und gerade das erregte Mary bis in die letzte Faser ihres
angespannten Koerpers.
Langsam erhob er sich aus einem Sessel am Kamin und trat zu der
weissschimmernden Gestalt. In ihren Augen leuchteten die Lichtreflexe des
Feuers, ihre Brust hob und senkte sich unter ihren Atemzuegen, ihr
versiegelter Mund versuchte irgendetwas zu erklaeren. Er hob gebieterisch
die Hand. An seinem Handgelenk funkelte eine duenne Goldkette, ein kleiner
goldener Schluessel.
„Sie sind nun in meinem Reich, in meiner Gewalt. Sie sind es so lange, wie
es mir gefaellt. Und es wird Ihnen gefallen. Denn das, was Sie bis heute
erlebt haben, war nur der Anfang. Ich werde Ihren Willen dem meinen
unterordnen, Sie zu meiner Sklavin machen. Ich werde Ihnen aber auch
zeigen, welch atemberaubende Empfindungen aus dieser Erfahrung fliessen.
Doch nun ist es auch an der Zeit, Sie ueber die Bewandnis dieses kleinen
Schluessels hier aufzuklaeren. Er passt zu einem kleinen goldenen Schloss,
wie Sie sicher schon vermutet haben. Ich werde damit den Eingang zu Ihrer
Pforte verschliessen lassen. Das wird noch heute geschehen. Nadja!
Annabel!“
Mit diesen Worten traten die beiden schwarzgekleideten Maedchen herein. Sie
oeffneten Marys Halsband und geleiteten sie in einen Nebenraum. Dort
loesten sie die Schnuerung des Kleides und der Corsage. Die Mechanik der
Einrichtung war simpel, aber funktionell. Kaum war Mary in den
lederbezogenen Stuhl mit auseinandergespreizten Beinen festgeschnallt,
klappte er nach hinten. Mary spuerte wie durch eine dicke Wattewand, wie
jemand, den sie nicht erkennen konnte, vorsichtig ihre beiden Schamlippen
auseinanderzog. Und dann ein einziger berstender Schmerz!
Sie wusste nicht, wie lange sie ohnmaechtig gewesen war. Man hatte sie in
ihr Zimmer getragen, die Versiegelung von ihren Lippen entfernt und in ein
seidenes Tuch gehuellt. Durch die vorhangverhangenen Fenster fiel kein
Licht mehr. Mary hatte jedes Zeitgefuehl verloren. Ihr Schoss schmerzte
noch, vorsichtiges Tasten ueberzeugte sie schnell davon, dass auch das kein
Traum gewesen war. Auch dieser Eingang war nun verschlossen.
Jede Bewegung unter dem seidenen Bettlaken machte ihr unwiderruflich klar:
mit dem kleinen goldenen Schloss, das man durch ihre Schamlippen gezogen
hatte, war sie zur voelligen Sklavin geworden. Das letzte Recht auf eigene
Entscheidung war ihr genommen. Sie war das Geschoepf dieses Mannes, seinen
Phantasien ausgeliefert, seiner Gewalt preisgegeben. Ein kalter Schauer
ueberlief den makellosen Koerper, der alle Haare zu Berge stehen lassen
haette.
Aber Mary hatte keine Haare mehr …
Jeder Gedanke an ihr frueheres Leben, an ihre Studien in Oxford, die Flirts
in der feinen Gesellschaft Londons, das alles war fast ausgeloescht, den
bizarren Erlebnissen der letzten Tage gewichen. Da war nur noch er. Und
dieser Blick, der jedesmal, wenn er sie ansah, noch weiter in sie eindrang,
jeden Winkel ihrer verhaltenen Neugier ausleuchtete und sie mit den
Irrlichtern seiner Phantasie fuellte.
Und sie spuerte mit seltsamer Faszination, dass sie immer weiter wollte,
weiter auf dem Weg in das unbekannte Gebiet der Hingebung, der absoluten
Abhaengigkeit vom Willen eines anderen. Doch sie fuehlte auch, wie eine
neue Kraft sich in ihr entwickelte. Was hatte er gesagt?
„Ich werde Ihren Willen dem meinen unterordnen, Sie zu meiner Sklavin
machen. Ich werde Ihnen aber auch zeigen, welche atemberaubenden
Empfindungen aus dieser Erfahrung fliessen.“Etwas davon hatte Mary schon zu
spueren bekommen. Jetzt wollte sie mehr …
„Sie werden bekommen, was Sie sich wuenschen!“
Mary schrak aus ihren Gedanken. Ohne einen Laut war er ins Zimmer getreten,
hatte leise die schwere, mit kunstvollen Schnitzereien verzierte Tuer
hinter sich geschlossen.
„Wir erwarten Gaeste heute Abend. Ich moechte Sie Ihnen vorstellen, auf
meine Art. Man wird Sie entsprechend vorbereiten.“Damit verschwand er
wieder durch die Tuer, die sich gleich darauf erneut oeffnete. Nach den
grazilen Figuren und den taenzerischen Schritten zu schliessen, mussten es
die beiden Dienerinnen sein, die schon am Morgen die Ankleideprozedur
uebernommen hatten.
Das bizarre Bild hatte sich in Marys Gedaechtnis eingegraben. Dennoch
haette sie die beiden Gestalten nicht wiedererkannt. Sie steckten von der
Kopfhaut bis an die Spitze der Absaetze in schwarzen, glaenzenden Anzuegen
in der Taille deutlich verstaerkt und zusammengeschnuert, nur die Augen
blitzten durch mandelfoermige Einschnitte aus der tiefen Schwaerze.
Waehrend Mary noch versuchte, das Material dieser Anzuege zu ergruenden,
das keinerlei Falten und keine sichtbaren Naehte aufwies, wurde sie von den
beiden Dienerinnen sanft aus dem grossen Bett gezogen und in die Mitte des
Raumes geleitet. Marys Haende wurden an zwei ledergefuetterten Manschetten
befestigt und ueber eine an der Decke befestigte Kette in die Hoehe
gezogen, so dass sie auf den Zehenspitzen balancieren musste. Eine der
beiden Gestalten passte Schuhsohlen mit ueberhohen Absaetzen an, die andere
legte behutsam zwei Abdeckplaettchen aus Kunststoff auf Marys Augen. Dann
spuerte sie, wie zwei Pfropfen ihre Ohren verschlossen, sie hoerte ihr Blut
im Rhythmus ihres Herzschlages pochen.
Mary begann zu froesteln. Bei jeder Beruehrung spitzer Fingernaegel zuckte
sie zusammen, und als sie fuehlte, wie sich zarte Haende zwischen ihren
Beinen zu schaffen machten, oeffnete sie den Mund, um zu schreien. Doch
bevor sie Luft holen konnte, hatte man ihr einen Knebel auf die Zunge
gelegt und den Mund mit einer klebenden Folie verschlossen. Die
Beruehrungen zwischen Marys Beinen wurden jetzt intensiver, sie spuerte,
wie das kleine goldene Schloss an ihren Schamlippen abgenommen wurde.
Dann, zwei Dorne, die die Eingaenge in ihren Koerper suchten und
schliesslich in sie eindrangen. Fuer einen kurzen Moment schien die
langgestreckte Gestalt in ihren Fesseln zu erstarren, dann ueberlief alle
Muskeln des schlanken Koerpers ein wiederholtes Zucken, das erst staerker
wurde und schliesslich langsam abnahm. Mary nahm kaum wahr, dass sie immer
weiter in die Hoehe gezogen wurde und endlich an den gefuetterten
Manschetten knapp unter der hohen Decke des Zimmers hing.
Ploetzlich lief die Aufwaertsbewegung langsam rueckwaerts, nach unten. An
den Zehen zuerst, dann an den Beinen hoch, ueber die Knie stieg eine warme
zaehfluessige Masse, die immer hoeher kroch, jede Spalte von Marys Koerper
erreichte, ausfuellte, mit Ausnahme derer, die ihr von den beiden
Dienerinnen verschlossen worden waren. Jetzt wurden die festen Brueste von
der warmen Masse umflossen, dann reichte sie bis zum Hals.
Da stoppte die Bewegung. Mary konnte gerade noch einmal durch die Nase Luft
holen; schon waren auch die Nasenloecher mit festsitzenden Stopfen
versiegelt. Sekunden spaeter, bevor Panik in Mary hochsteigen konnte,
schwappte die weiche, warme Masse ueber ihren Kopf zusammen, um sofort
wieder abzutropfen. Schnell hatte man sie wieder herausgezogen und von den
Nasenstoepseln befreit. Doch von ihren Fesseln wollte sie offenbar noch
niemand losbinden. Trotz der gefuetterten Manschetten schmerzten ihre
Handgelenke sehr. Nach einer fast endlos erscheinenden Zeit wurde sie
langsam auf den Boden hinabgelassen. Die Spitzen der steilen Absaetze
beruehrten zuerst den Fussboden, dann konnte sie mit ihren Zehenspitzen
festen Grund ertasten. Vorsichtig wurden die Abdeckungen ueber den
Augenlidern entfernt.
Langsam glitten Marys Blicke ueber flirrendes Weiss, einen Koerper, dessen
Haut zu leuchten schien. Der Aufschrei Marys war nur ein leises Atemholen,
das Geraeusch ihres zum Zerreissen pochenden Herzens das einzige, das an
ihre versiegelten Ohren drang. Dann loesten die Dienerinnen behutsam die
Handfesseln, so dass Mary ihren voellig eingehuellten Koerper betasten
konnte. Die erste Beruehrung loeste sofort einen Orgasmus aus. Mary sank zu
Boden, die beiden Dorne unter ihrer zweiten Haut zitterten und bebten.
Als es ihr moeglich war, einen klaren Gedanken zu fassen, bemerkte sie, wie
sie von vielen Haenden auf die Beine gestellt wurde. Schwankend versuchte
sie, auf den angepassten Absaetzen Balance zu halten, die jetzt quasi mit
ihren Beinen verbunden, ein Teil ihres Koerpers geworden waren.
Behutsam wurde sie von den beiden glaenzenden Gestalten in die Mitte
genommen und aus dem Zimmer geleitet. Das Material ihrer zweiten Haut
dehnte sich bei jeder Bewegung und gab ihr das Gefuehl, voellig
eingeschlossen zu sein. Die Dorne im Unterleib, beide miteinander verbunden
und durch die Eigenspannung festgehalten, rieben und wanden sich bei jedem
Schritt. Die Brueste waren bis ins feinste Detail durchmodelliert, die
weiche Masse hatte sich jeder Kontur exakt angepasst und war dann
angetrocknet. Ein undurchlaessiger Film, fast zwei Millimeter dick, der
Mary voellig umgab.
Man war im grossen Saal angekommen, dem Saal, den Mary schon am ersten Tag
ihrer Reise ins Ungewisse kennegelernt hatte. Dem Saal mit den schweren
Samtvorhaengen, dem gewaltigen Kamin, in welchem auch jetzt ein Holzfeuer
prasselte, den kostbaren Gemaelden. In diesem Saal hatte sich Mary, mit
einem Stahlring an einen der grossen Lederfauteuils angekettet, die Worte
ihres Meisters anhoeren muessen. So auch jetzt:
„Sie sind nun in meinem Reich, in meiner Gewalt. Und das, was Sie bisher
erlebt haben, war nur der Anfang!“
Schwarze lederne Baender wurden um Marys schlanke Fussfesseln gelegt und an
zwei kurzen Ketten mit Stahlringen im Fussboden verbunden, die unter einer
versteckten Platte des Parketts zum Vorschein gekommen waren. Sie musste
die Haende in ebensolche Lederbaender legen, die zwischen ihren Beinen
hindurch nach hinten gezogen und an weiteren Stahlringen befestigt wurden.
Man verschloss ihr die Augen. Jetzt stand sie da, blind, taub und stumm,
angekettet mitten in dem grossen, dunkeln, nur durch das Feuer erleuchteten
Saal. Auf dem glaenzenden Material, das ihren festgespannten Koerper
bedeckte, flackerten die Lichtreflexe. Nur muehsam konnte sie durch die
beiden kleinen Nasenloecher der festanliegenden Gesichtsmaske atmen. Wie
durch eine Wand hoerte sie ploetzlich Geraeusche, Stimmen, dann eine erste,
fluechtige Beruehrung am Ruecken, die sie bis ins Mark erzittern liess.
Immer mehr Haende, die den wehrlosen Koerper streichelten, liebkosten, an
jede denkbare Stelle reichten.
Auf einmal ein leichtes Zerren an ihrem hochaufgerichteten Hinterteil,
kaltes Metall, das eine Oeffnung in die flexible Haut ueber ihrer Spalte
schnitt, den dickeren Dorn langsam herauszog, um die freigewordene
Liebesgrotte sofort wieder zu verschliessen. Mit langsamen Bewegungen drang
jemand in Mary ein, erst sacht, dann immer ungestuemer, groesser und
wilder, mit beiden Haenden fest um die schmale Taille der angeketteten Frau
gekrallt, mit schweren Stoessen, eine einzige, gleissende Explosion der
Sinne …
Mary erwachte erst wieder, als sich, zurueck in ihrem Zimmer, die
Kunststoffhuelle von ihrem Koerper zu loesen begann. Eine der Dienerinnen
hatte mit einer Schere den ganzen Kokon der Laenge nach aufgeschnitten.
Danach wurde ein Bad eingelassen und hinterher das kleine, goldene Schloss
wieder zwischen ihren Beinen angebracht. Bevor die beiden Dienerinnen
wieder die schwarze Lederhuelle um Marys Koerper festzurrten und die
Ledermaske ueber den Kopf zogen, versuchte sie noch zu fragen: „Wer war
es?“ Doch sie erhielt keine Antwort. Bewegungslos eingeschnuert erwartete
Mary den naechsten Tag.
Totale Dunkelheit. Schwarz wie die schwaerzeste Nacht, kein Lichtschimmer,
der irgendwann durch irgendeine versteckte Ritze faellt und fuer Sekunden
nur einen matten Schimmer auf die naechste Umgebung werfen kann. Dazu noch
absolute Stille, nicht das rhytmische Knacken einer Uhr, der die Chips noch
Geraeusch gelassen haben, kein Treppenknarren, kein Autohupen, nichts.
Ueberhaupt nichts. Nur dieses Gefuehl. Auf jedem Zentimeter Haut, jedem
Winkel des zum Zerreissen gespannten Koerpers, der nicht zerreissen kann,
nicht ausreissen, keine Muskelfaser ruehren, nichts tun kann. Um es
abzustreifen, loszuwerden, irgendwie zurueckzufinden aus — der Lust. Einer
Lust, die nicht mehr nur „da unten“ sitzt, weit weg und immer unter
Kontrolle, einschalten, abschalten und doch nur ein Anflug von Begierde.
Stattdessen Lust, die Besitz ergreift. Wie ein wildes Tier an sich reisst,
keinen Ausweg laesst, sich im Gehirn festsetzt und nur einen Gedanken
kennt: Mehr! Noch mehr!
Eingeschnuert in den engen Lederkokon, die Augen, die Ohren, der Mund
verschlossen, zu keiner Bewegung faehig, hatte die Phantasie Mary voellig
in der Gewalt. Sie war einer Gedanken- und Gefuehlswelt ausgeliefert, die
mit jeder Minute in der engen Lederhuelle intensiver, realistischer, ja
bedrohlicher wurde. Ihr Geist, der nicht mehr in der Lage war, sich durch
Bewegung, Sprache oder sonst zu aeussern, schaffte sich ganz allmaehlich
eine eigene Welt im Inneren, gaukelte Sinneswahrnehmungen vor, Toene,
Geraeusche, Bilder, die nur im Gehirn entstanden sein, und nur dort
verarbeitet werden konnten.
Gefuehl war nicht laenger mehr nur eine abstrakte Groesse. Jede Beruehrung,
offensichtlich nicht nur eine gedachte und nicht tatsaechliche, brach wie
ein Blitz in Marys Gedanken, liess die permanent vorhandene Lust wie ein
Feuerwerk aufflackern und nur einen Wunsch zurueck: ganz Koerper zu sein,
sich aufzugeben und dadurch — vielleicht — zu einem anderen Ich zu
finden. Wenn er es so wollte?
Aber noch war sein Prozess der Umformung nicht abgeschlossen. Mary spuerte,
wie der zarte Druck auf ihr Gesicht langsam nachliess, konnte Haende
fuehlen, die ihren Kopf vorsichtig einige Zentimeter vom Kissen hoben und
die Verschnuerung am hinteren Ende loesten. Die lederne Maske wurde
abgehoben. Mary hielt die Augenlider zunaechst fest zugepresst, erwartete
einen grellen Lichtschein, der die wilden Phantasiebilder mit einem Schlag
ausloeschen wuerde. Doch der brutale Einbruch in die Realitaet blieb aus.
Nur ein dezenter, gelb- goldener Schimmer durchflutete den Raum. Gerade
genug, um schemenhafte Gestalten zu erkennen, die neben dem Bett standen.
Sie schienen auf etwas zu warten.
Mary oeffnete die Augen ganz. Da beugte sich eine der Gestalten langsam zu
ihr herab, ein schoenes Frauengesicht zwischen langen, nachtschwarzen
Haaren, die wie feiner Sand auf Marys Wange fielen. Es musste eine der
Dienerinnen aus seinem Gefolge sein, denn sie hatte keinen Mund. Der Ansatz
der hauchduennen Gummihaut, die sich eng ueber die fest geschlossenen
Lippen schmiegte, war kaum zu erkennen. Zudem machte das perfekte Makeup
den verblueffenden Eindruck noch eindrucksvoller. Die Augen unter den
langen Wimpern schienen zu sprechen. Eine Frage? Aber kein Laut. Sanft
hoben und senkten sich ihre Brueste ueber dem Ansatz des gnadenlos engen
Korsetts, mit dem sie auch am Hofe Ludwigs XVI. zu den Favoritinnen
gezaehlt haette. Mehr als 30 Zentimeter konnte der Umfang der zerbrechlich
schmalen Taille nicht betragen. Mary war kaum faehig, ihren Blick von
dieser faszinierenden Erscheinung abzuwenden. So hatte sie kaum
wahrgenommen, dass eine weitere Dienerin die enge Lederhuelle geoeffnet
hatte und ihr jetzt bedeutete, aufzustehen. Noch etwas benommen setzte sich
Mary auf, betastete mit nackten Zehen den kalten Marmorfussboden und
versuchte, auf die Beine zu kommen. Sie stand kaum, als ihr auch schon
lederne Armbaender um die Handgelenke gelegt wurden, ein Verschluss klickte
leise. Unnachgiebig zog es ihre Haende nach oben.
Das Ankleiden hatte begonnen.
Ein ploetzlicher Druck um ihre Taille, der staendig zunahm, ihr fast den
Atem raubte, dann wieder nachliess um kurz darauf noch staerker zuzupacken.
Man hatte ihr ein Korsett umgelegt, eines von der stahlharten Sorte und war
nun dabei — so wenigstens empfand Mary –sie in zwei Teile zu schneiden.
Als der Druck nicht mehr zunahm, stand sie einige Minuten keuchend, bis sie
sich, schneller als erwartet, an die ungewohnten Atemverhaeltnisse gewoehnt
hatte. Anscheinend war die Prozedur mit dem Ueberziehen eines schwarzen
Minikleidchens aus glaenzendem Latex beendet, denn die Dienerin hatte ihre
Arme aus den Ledermanschetten befreit und machte nun keine Anstalten, sie
wieder festzubinden.
Doch da zog die zweite Dienerin eine lange, duenne Goldkette aus einem
kleinen Behaeltnis. Bevor Mary zurueckweichen konnte, hatte die Dienerin
das eine Ende um Marys Hals gelegt und mit einem unsichtbaren Mechanismus
einschnappen lassen. Damit zog sie Mary langsam, aber unerbittlich nach
unten, trat hinter sie und zog ihr das andere Ende zwischen den Beinen
hindurch. Ploetzlich spuerte Mary, wie sich kundige Finger an dem kleinen
Schloesschen vor ihrer Pforte zu schaffen machten. Es schmerzte leicht und
das lose Ende der duennen Kette war mit dem Schloesschen untrennbar
verbunden.
Mary durfte sich aufrichten. Wie eine weithin sichtbare goldene Faehrte
lief die Kette von ihrem Hals ueber das schwarze Latexkleid, um in sanftem
Bogen leicht pendelnd zwischen ihren Beinen zu verschwinden. Die schwarzen
Lackschuhe mit den hohen Pfennigabsaetzen zierte ebenfalls jeweils ein
duennes goldenes Kettchen, das von den Dienerinnen um Marys Fesseln gelegt
und mit den Schuhen verschlossen wurde. Ein lustvoller Schauer durchlief
ihren Koerper.
„Sind Sie bereit? Dann werden wir jetzt einen kleinen Ausflug in die feine
Gesellschaft unternehmen.“
Er war eingetreten. Sein weitschwingendes, schwarzes Pelzcape liess ihn
noch groesser, noch ehrfurchtgebietender erscheinen. Langsam glitt sein
Blick aus den kalten blauen Augen ueber Marys Koerper, folgte der schmalen
Goldkette ueber die schwarzglaenzende Oberflaeche des hautengen
Latexkleids. Er schien zufrieden:
„So ist es gut. Folgen Sie mir.“
Er reichte ihr die Hand und Mary trippelte vorsichtig und mit kleinen
Schritten neben ihm her, die ausladende Treppe des Eingangs hinunter, wo
ein grosser Wagen mit laufendem Motor wartete. Der Chauffeur hielt die
hintere Tuer geoeffnet. Aber das war kein Chauffeur — eher eine Chauffeuse
und unschwer als eine der Dienerinnen zu erkennen, die sie schon des
oefteren gesehen hatte: sie hatte keinen Mund. Der Ansatz der hauchduennen
Gummihaut, die sich eng ueber die fest geschlossenen Lippen schmiegte, war
kaum zu erkennen.
Nachdem Mary und er Platz genommen hatten, schloss die stumme Dienerin die
Tuer und ging auf die andere Seite des Wagens. Die angedeutete Uniformjacke
ueber dem engen Rock sass knapp um die eng geschnuerte schmale Taille. Da
das Fahrzeug durch eine dunkle Glasscheibe geteilt wurde, konnte Mary nur
noch die Umrisse der Fahrerin erkennen. Langsam setzte sich der Wagen in
Bewegung, knirschte vernehmlich ueber den Kies der Zufahrt. Mary sah sich
um und begegnete seinem Blick, der zum ersten Mal so etwas wie versteckte
Erwartung zeigte.
„Ich moechte Sie nicht beunruhigen, aber es ist doch besser, wenn Sie nicht
sehen, wohin wir fahren.“
Mit einer schnellen Handbewegung hielt er ihre langen schwarzen Haare
zusammen und zog eine Latexmaske ueber ihren Kopf. Durch die Oeffnungen
fuer Mund und Nase konnte Mary Atem holen. Dunkelheit umhuellte sie und die
leisen Schaukelbewegungen des Wagens oeffneten sacht die Pforten zur
Phantasie. Sie unterschied sich kaum noch von der fantastischen
Wirklichkeit. Was hatte er mit ihr vor? Nicht dass sie es unbedingt wissen
wollte — sie genoss diese voellige Entscheidungslosigkeit, dieses
Treibenlassen in den Strudel des Ungewoehnlichen.
Das Schaukeln hatte aufgehoert. Die Wagentuer oeffnete sich und liess einen
Schwall warmen Abendwind herein. Mary spuerte eine Hand in ihrer, die sie
hinausgeleitete und dann zwei starke Arme. War das er, der sie ueber einige
Stufen trug? Die Geraeusche veraenderten sich.
Sie mussten eine grosse Halle betreten haben, auf deren Fussboden die
Schritte vieler Leute klickten und klapperten. Mary wurde auf die duennen
Spitzen ihrer hohen Absaetze gestellt und festgehalten. Noch blind und
benommen von der Schaukelei haette sie sofort das Gleichgewicht verloren.
Jemand zog ihre Arme nach hinten und machte sich an der Schnnuerung ihrer
Latexmaske zu schaffen. Ploetzlich war die warme weiche Huelle nicht mehr
da, die unvermittelte Helligkeit brannte in den Augen, Mary warf den Kopf
nach hinten, um die langen Haare aus dem Gesicht zu bekommen. Jetzt konnte
sie sehen. Der Anblick raubte ihr fast den Atem.
„Was Sie hier sehen, meine Liebe, ist eine meiner Realitaet gewordenen
Phantasien — ein moderner Sklavenmarkt. Modern deshalb, weil die Menschen,
die in diesen Raeumen begutachtet und verkauft werden, damit einverstanden
sind. Sie haben sich aus einer tiefen, inneren Ueberzeugung entschlossen,
den eigenen Willen zugunsten eines anderen aufzugeben. Manche nur fuer ein
paar Stunden, andere Wochen und einige fuer ein ganzes Leben. Ich bin der
Vermittler zwischen diesen Dienerinnen und Dienern aus Leidenschaft und
ihren zukuenftigen Meistern. Begleiten Sie mich.“
Das Innere der Halle war fast vollstaendig mit weissem, grau gemaserten
Marmor ausgekleidet. Grosse Kristalleuchter funkelten von der Decke und
gaben der Szenerie Tausende tanzender Schatten. Es mussten annaehernd
zweihundert Menschen sein, die in der grossen Halle kleine Grueppchen
bildeten, sich leise unterhielten. Doch sie waren nicht die Hauptpersonen:
in regelmaessigen Abstaenden hatte man Marmorsaeulen, etwa eineinhalb Meter
hoch und mit einem Meter Durchmesser errichtet, auf denen nackte Statuen
standen. Aber diese Statuen lebten — nur die Beine der Maenner und
Maedchen auf den Sockeln schienen fest mit der Unterlage verbunden. Sie
waren es auch, wie sich bei naeherem Dazutreten zeigte: breite, glaenzend
polierte Klammern hielten die „Schaustuecke“ auf ihren Plaetzen.
„Wie gefaellt Ihnen meine kleine Veranstaltung? Ich bin sicher, dass sie
Ihr Interesse findet. Und da ich von Ihrer unbedingten Ergebenheit zu mir
weiss, habe ich mich entschlossen, Sie daran teilhaben zu lassen.“
Noch bevor Mary irgendetwas erwidern konnte, hatten zwei von seinen
Dienerinnen, die ploetzlich hinzugetreten waren, ihre Arme und Beine
zusammengebunden und den duennen Gummifilm ueber ihre Lippen gelegt. Stumm
musste Mary nun mitansehen, wie ihr zunaechst die Goldkette vom Hals
genommen wurde. Dann zog man ihr das Latexkleid aus und hob sie auf den
kalten Marmorsockel. Als Ihre Beine einen Kontakt in den Metallklammern
beruehrten, schlossen sie sich, bewegt durch unsichtbare Elektromotoren,
leise summend um ihre Fesseln. Mary war gefangen. Mit belustigtem Laecheln
trat er auf sie zu, fing die sacht schwingende Goldkette auf, die immer
noch mit dem kleinen Schloss an ihrem Schoss verbunden war und hielt sie
zwischen zwei Fingern fest. Mit der anderen Hand zog er den kleinen
goldenen Schluessel, den er jetzt an einem Kettchen um den Hals trug, aus
dem Hemd.
„Ich werde Sie nun fuer einige Zeit verlassen. Den kleinen Schluessel gebe
ich nicht aus der Hand. Vielleicht noch nicht jetzt. Aber das wird Ihr
Verhalten in den naechsten Tagen zeigen. Leben Sie — oder vielmehr -leiden Sie wohl …“
Nach diesen Worten verschwand er mit seinen Begleiterinnen durch eine
Seitentuer. Sofort bildete sich um Mary eine groessere Menschenansammlung.
Ihr Verkauf hatte begonnen. Unfaehig, den Blicken der Umstehenden
auszuweichen, die Beine fest umschlossen von den beiden staehlernen
Halteklammern, voellig nackt und stumm durch den duennen Gummifilm, der
ihre Lippen umschloss, blieb Mary keine andere Wahl, als zu warten. Zu
warten auf die unbegreiflichen Dinge, die noch mit ihr geschehen wuerden.
Er hatte es so gewollt. Was verlangte er noch von ihr? Hatte sie ihm ihre
Liebe nicht schon deutlich genug bewiesen?
Ein donnernder Gongschlag durchbrach jaeh Marys Gedankenflug. Zwei grelle
Scheinwerfer flammten auf und tauchten ein Podest an der Schmalseite der
marmorgetaefelten Halle in weisses Licht. Das gleiche grelle Licht flutete
auch von Deckenstrahlern auf die Marmorsaeulen und die darauf
festgehaltenen Sklaven, die dadurch noch nackter, noch ausgelieferter
wirkten …
Mary schloss die Augen. Erst nach einigen Minuten konnte sie die Gestalt
auf dem Podest einigermassen erkennen. Eine unverkennbar weibliche Figur,
schmale Taille, grosse feste Brueste, extrem lange Beine und auch insgesamt
von eindrucksvoller Groesse, mit den enormen Absaetzen mussten es fast zwei
Meter sein. Das knappsitzende, glaenzendschwarze Kleid spannte sich ueber
jede Rundung und endete in einem hohen Kragen. Das Gesicht blieb unter
einer Maske verborgen. Ohnehin wurde es durch die langen blonden Haare fast
verdeckt. Die Gespraeche im Saal verstummten. Alle Aufmerksamkeit war jetzt
auf die eindrucksvolle Dame in Schwarz gerichtet.
„Guten Abend, meine Damen und Herren,“ klang ihre Stimme
lautsprecherverstaerkt zwischen den Marmorwaenden. „Ich freue mich, so
viele Anhaenger unserer kleinen Vergnuegung hier zu sehen und moechte Sie
auch im Namen unseres Gastgebers herzlich begruessen.“
Damit war sicher er, ihr Herr gemeint. Doch wohin war er verschwunden?
„Da sie alle mit den Formalitaeten unserer Auktion vertraut sind, moechte
ich gleich beginnen. Sie haben sich von den offensichtlichen Qualitaeten
der angebotenen Damen und Herren bereits ueberzeugt, so dass Sie sicher
meiner Meinung sind, wenn ich als Grundgebot fuer Steven, hier auf einer
Saeule zur linken, 85.000 Pfund vorschlage. Wer bietet?“
Das Handzeichen einer elegant gekleideten Dame in der vordersten Reihe kam
in der naechsten Sekunde.
„86.000, vielen Dank.“
Doch da war noch jemand, der sich fuer den muskuloesen Steven, der sicher
kaum ueber 20 Jahre war, stark interessierte: ein baertiger Mensch von
erheblicher Leibesfuelle und wohl noch umfangreicheren Portemonnaie.
„90.000. Ich biete 90.000 Pfund!“
Ein scheuer Blick aus Stevens hellblauen Augen zur Dame vorn besagte
Eindeutiges ueber den vom Betroffenen erhofften Ausgang des Gebots. Noch
ein Handzeichen. 100.000, nein 150.000 …
„Ist 150.000 Pfund richtig, gnaedige Frau?“
Bestaetigt. Vom beleibten Herrn keine weitere Reaktion, dagegen fast ein
Laecheln auf Stevens Mundwinkeln.
„Zum dritten! Steven geht fuer 150.000 Pfund an Lady Mosley. Vielen Dank,
Madame.“
Auf ein Handzeichen der Auktionsleiterin oeffneten sich die staehlernen
Halteklammern um Stevens Beine, zwei Helfer hoben ihn vom Sockel und
geleiteten ihn durch eine Seitentuer. Mary konnte nicht sehen, wohin sie
ihn brachten. Die ganzen Geschehnisse wurden immer undeutlicher, wie ein
Film flimmerte es vor ihren Augen, die Stimmen zu Gemurmel verwischt, so
dass sie die folgenden Versteigerungen nicht bewusst wahrnahm. Es war wie
ein Traum — nur das zarte Zerren des Kettchens am goldenen Schloss
zwischen ihren Beinen erinnerte sie in jeder Sekunde daran: das alles war
Realitaet, kein Traum. Das war die Wirklichkeit!
„Und jetzt kommen wir zum Hoehepunkt des Abends, zu einem ganz besonderen
Angebot, das wir unserem Gastgeber verdanken. Es ist die Dame auf der
Saeule rechts in der Mitte. Das Grundgebot fuer die schoene Mary liegt bei
200.000 Pfund!“
Ein leises Raunen flog durch den Saal, das nach einer gebieterischen
Handbewegung vom Podest herab sofort verstummte.
„Ich hoere ihre Gebote. Ja, dort hinten, 210.000 Pfund, 220.000 von links,
230.000, 240.000, 250. 000, nicht mehr als 250. 000 Pfund. Niemand bietet
mehr?“
Kein Laut drang durch die Stille, die Spannung knisterte hoerbar, jedoch
kein weiteres Handzeichen.
„Dann mache ich vom Biet-Recht des Auktionators Gebrauch und biete 300.000
Pfund. Jemand dagegen?“
Leises Raeuspern klang aus der hintersten Reihe der Anwesenden, aber sonst
keine weitere Aeusserung.
„Zum dritten! Damit geht dieses Angebot an mich. Fuehrt sie nach hinten!
Die Auktion, meine Damen und Herren, ist damit beendet. Falls Sie Ihre
Erwerbungen gleich mit nach Hause nehmen moechten, steht entsprechendes
Fuehrungs-Material gleich hinten zu Ihrer Verfuegung. Wir machen aber auch
darauf aufmerksam, dass wir Ihnen Ihren Kauf auch sorgsam verpackt
zustellen. Vielen Dank!“
Mary war mit immer noch versiegelten Lippen in einen dunklen Nebenraum
gefuehrt worden. Jetzt nahm man ihr den Gummifilm ab, verbot ihr aber, zu
sprechen. Dann wurde die duenne Goldkette zwischen ihren Beinen entfernt,
das Schloss an ihren Schamlippen blieb aber an seinem Platz. Im Dunkel des
Raumes konnte sie kaum erkennen, wer oder was um sie herum vor sich ging.
Eine Hand hielt ihren Kopf fest, eine andere zog eine duenne Latexmaske
darueber. Mary fuehlte, dass diese Maske keine Loecher fuer die Augen, fuer
die Nase hatte.
Entsetzt schnappte sie nach Luft und bekam ein enges Gummirohr zwischen die
Lippen, durch das sie ein- und ausatmen konnte. Jetzt sass die Maske wie
eine zweite Haut auf ihrem Gesicht und drueckte die Haare fest an ihren
Kopf. Mary wurde sanft ein paar Schritte nach vorn gezogen, dann glaubte
sie, eine schliessende Tuer wahrzunehmen. Ploetzlich stiessen ihre Haende
ringsherum auf Widerstand, nach vorne, nach hinten, ueberall. Sie war in
einem engen Behaelter eingeschlossen, aus dem es keinen Ausweg gab. Panik
stieg in ihr auf, noch mehr, als sie bemerkte, wie irgendetwas um ihre
Fuesse herum brodelte, zaehfluessig erst ihre Zehen umschloss, dann die
Knoechel erreichte und langsam, aber unaufhaltsam hoeher stieg. Die zaehe
Fluessigkeit war warm und weich, das Gefuehl eigentlich eher angenehm, im
absoluten Dunkel aber furchteinfloessend. Mittlerweile war Mary bis zu den
spitzen Bruesten von der einfliessenden Masse umgeben, die immer noch
weiter nachfloss.
Da wurde ihr schlagartig bewusst, dass die Masse sich um ihre Beine zu
verfestigen begann. Erst allmaehlich, dann immer schneller. Schon konnte
sie ihre Fuesse keinen Millimeter mehr bewegen, nun die Knie, den ganzen
Unterkoerper. Die Masse musste einer dieser Kunststoffe sein, die
aufgeschaeumt wurden und sich schnell in einen festen Stoff verwandelten.
Jetzt erreichte es ihren Hals, dann den Mund — schliesslich schwappte es
ueber Mary zusammen. Sie war nun ganz von einer Masse bedeckt, die sich
schneller und schneller verfestigte und damit jede Bewegung unmoeglich
machte. Durch das Gummirohr bekam sie zwar ausreichend Luft, war aber sonst
restlos hilflos, gefangen, ohne die Moeglichkeit der kleinsten Bewegung,
allein den Wahrnehmungen ihrer verbliebenen Sinne ausgeliefert und dem, was
ein ueberreiztes Gehirn daraus machte. Der Gleichgewichtssinn, zwar ohne
jede brauchbare Funktion, aber dennoch intakt, signalisierte Mary, dass man
sie aus der engen „Gussform“ herausgenommen und auf den Boden gelegt hatte.
Der Abtransport hatte begonnen. Kein Lichtstrahl, kein Geraeusch drang ins
Innere des Kunststoffpanzers, der gerade soviel Zwischenraum liess, dass
Mary in kleinen Zuegen Luft holen konnte. Sonst war absolut keine Bewegung
moeglich. Ohne aeussere Eindruecke ging ihr Gefuehl fuer Zeit verloren,
sodass Mary nicht mehr wusste, wie lange sie so eingeschlossen gewesen war.
Ein leichter Ruck riss sie aus den erzwungenen Traeumen, eine Ahnung nur,
irgendwo zwischen dem, was an verwertbarer Realitaet uebriggeblieben war
und dem, was die Phantasie in den letzten Tagen zwangsweise dazugelernt
hatte.
Der Gleichgewichtssinn signalisierte eine undefinierbare Lageaenderung,
kurz darauf glaubte Mary, ein Geraeusch zu hoeren. Tatsaechlich — ein
hohes Sirren, wie von einem Schwarm wildgewordener Wespen, der gegen die
Kunststoffhuelle Sturmangriff flog. Einen erfolgreichen, wie das leise
Knistern vermuten liess. Dann ein ploetzliches Krachen, ein Gefuehl der
Leichtigkeit. Der obere Teil der Huelle war abgehoben worden, Mary lag nun
noch im unteren Teil der angegossenen Form. Noch liess die Gummimaske kein
Licht an die Augen, doch den Gummischlauch zwischen ihren ausgetrockneten
Lippen hatte irgend jemand bereits entfernt. Dann machten sich zaertliche
Haende an der duennen Latexmaske zu schaffen, die ihr Gesicht vor dem
Kunststoffueberzug geschuetzt hatte. Vorsichtig wurde sie angehoben und
ueber den Kopf nach hinten gerollt.
Mary oeffnete die Augen.
Der Schreck liess sie unkontrolliert zusammenzucken. Das Gesicht ueber dem
ihren war keines. Ebenmaessig zwar, fast natuerlich, aber doch eine Maske
aus schwarzem Leder, eingerahmt von langen blonden Haaren. Das
knappsitzende, glaenzend schwarze Kleid spannte sich ueber jede Rundung und
endete in einem hohen Kragen. Diese faszinierende Gestalt hatte Mary schon
einmal gesehen, der Anblick hatte sich fest in ihr Gedaechtnis gebrannt:
Das war die grosse Vorsitzende der geheimnisvollen Sklaven-Auktion, die
Frau, die sie gekauft hatte.
Das war Marys neue Herrin.
„Nun, hast Du Dich von der Reise erholt? Sicher nicht besonders gemuetlich
in der von mir gewaehlten Verpackung. Aber das war auch in Deinem
Interesse. So wird nichts beschaedigt — an meinem Besitz.“
So war das also. Besitz nehmen wollte die feine Dame. Ein paar
Hunderttausend Pfund auf den Tisch des Hauses legen und mit neuem Spielzeug
von dannen ziehen. Aber da hatte sie sich gruendlich getaeuscht. Marys
Unterordnung war noch persoenlichkeitsgebunden, noch von den Eindruecken
gepraegt, die sie auf dem Landsitz er, der Herr dieses Landsitzes hatte
ihren Willen nur fuer sich gebrochen. Jetzt leuchtete wieder der Funken des
Eigensinns in Marys Augen. So einfach war sie nicht zu schlagen! Jetzt
wuerde sie ihre Meinung klar zum Besten geben.
Doch dazu kam es nicht. Kaum hatte sie den Mund geoeffnet, als auch schon
ein Ballknebel ihre Zunge gegen den Gaumen drueckte und jedes Wort im
Ansatz erstickte.
„Aber, aber, wer wird denn jetzt schon nicht mehr mitspielen. Ich habe
schliesslich viel Geld fuer Dich bezahlt, da will ich auch meinen Spass mit
Dir haben. Und Du sollst schliesslich auch nicht zu kurz kommen …“
Mit diesen Worten pumpte die Lady in Schwarz den Ballknebel in Marys Mund
bis zum Aeussersten auf und entfernte die kleine Ballpumpe. Bevor Mary ihre
Glieder aus der Kunststoff-Form heben konnte, wurden ihre Beine, eines nach
dem anderen, leicht angehoben und durch engsitzende Ledermanschetten ueber
ihren Fesseln miteinander verbunden. Dasselbe geschah mit ihren Armen, ein
breites Lederhalsband vervollstaendigte ihre Bekleidung.
„Steh` auf, meine Kleine! Noch bin ich nicht fertig mit Dir. Aber was hast
Du denn da Schoenes an?“
Ihr Blick war auf das kleine goldene Schloss an Marys Schoss gefallen, das
er angebracht und verschlossen hatte. Und – eigenartig — irgendwie fuehlte
Mary sich seitdem sicherer, beschuetzter. Auch jetzt. Pruefend tasteten
feingliedrige Finge mit enorm langen Naegeln nach dem glitzernden
Anhaengsel zwischen ihren Beinen.
„Wirklich sehr, sehr huebsch. Ich denke, dass ich Dir etwas Aehnliches
schenken werde. Am besten gleich …“
Zaertlich, aber doch bestimmt zog sie Mary auf die Beine. Noch etwas
zittrig, doch hellwach stand Mary stumm in dem dunklen Raum, dessen
Ausmasse sie im Zwielicht nicht schaetzen konnte. Jetzt wurde sie mit
festem Griff nach hinten gezogen. Sie folgte mit kleinen Schritten. Mehr
liessen die Ledermanschetten an ihren Fesseln, die mit einer dicken kurzen
Kette verbunden waren, nicht zu. Ploetzlich fuehlte sie im Ruecken einen
kalten, harten Widerstand. Sekunden spaeter schlossen sich feste Baender um
Beine und Armgelenke, selbst um die Stirn wurde ein kraeftiges Lederband
gezogen und festgeschnallt. Der Ballknebel in ihrem Mund verhinderte jeden
Laut. Was, um alles in der Welt, hatte man mit ihr vor?
„Nachdem Du an Deiner Liebespforte bereits ein sehr praktisches Utensil
traegst, werde ich Dir mein Zeichen anderswo anbringen. Es wird dort gleich
sehr kalt werden.“
Mary zerrte an den Fesselbaendern, versuchte sich irgendwie vor dem
Unbekannten in Sicherheit zu bringen. Aber es gab kein Entrinnen, die
Baender liessen kaum einen Millimeter nach. Stattdessen kippte die
Unterlage nach hinten, es musste ein Tisch auf einem Gelenk oder etwas
aehnliches sein. Und dann fuehlte Mary, wie ihre Brustspitzen ploetzlich
eiskalt wurden — als ob ein eisiger Windhauch sie scharf anblasen wuerde.
Das konnte doch nicht sein, nein, bitte, nur das nicht …
Der Schmerz war laengst nicht so intensiv gewesen, wie sie befuerchtet
hatte. Ein leichtes Brennen, mehr hatten die gekuehlten Nervenenden nicht
gemeldet. Jetzt fuehlte Mary zwar noch ein leichtes Ziehen beider
Brustwarzen. Aber das blieb ertraeglich und klang schnell ab. Noch hatte
niemand ihre Fesseln geloest, noch war sie fest an den kalten Tisch
geschnallt. Auch konnte sie nicht sehen, was die schwarzgekleidete Dame mit
ihren Bruesten gemacht hatte. Wie ein Blitz flammte ein helles Licht an,
das in ihren Augen brannte und sie einen Moment blind werden liess. Am
Klackern spitzer Absaetze konnte sie erahnen, dass jemand den Raum betreten
hatte. Die Tischplatte schwenkte wieder in senkrechte Position.
„Sehr huebsch geworden, findest Du nicht?“
Das Lederband um ihre Stirn loeste sich und erlaubte Mary, ihre
Brustspitzen anzuschauen. Der Schock traf sie wie ein Keulenschlag. Ihre
beiden Brueste umschlossen exakt geformte kleine Metallkegel mit Oeffnungen
an den Spitzen, die gerade gross genug waren, um die Brustwarzen
durchzulassen. Beide waren durchbohrt, von duennen Metallstaebchen
durchstossen, die gleichzeitig die beiden Kegel an ihrem Platz hielten.
Jetzt hatten ihre Brueste silbern schimmernde Spitzen …
Alles um Mary herum begann sich zu drehen. Wie durch eine dichte Nebelwand
nahm sie die Gestalt vor ihr wahr, die unverkennbar weibliche Figur, die
schmale Taille, die enorm langen Beine. Ihre neue Herrin lachte:
„Ich wusste, dass es Dir gefaellt. Und ich weiss noch viel mehr. Und
vielleicht werde ich Dir eines Tages auch etwas ueber mich erzaehlen. Ein
kleines Geheimnis. Aber zuvor wirst Du noch viel lernen und leiden muessen.
Aber jetzt komm` mit. Schliesslich habe ich noch einiges vor mit Dir.“
Mit einigen schnellen Handgriffen hatte sie die restlichen Fesseln geloest
und Mary auf die Beine geholfen. Bis auf die glitzernden Metallkegel auf
Marys Bruesten und dem kleinen Schloss zwischen ihren Beinen war sie nackt.
Mary froestelte. Ihre neue Herrin schien das bemerkt zu haben.
„Du frierst ja, Kleine. Dagegen sollten wir schnellstens etwas unternehmen.
Doch zunaechst zeige ich Dir, was Du in naechster Zeit zu tun hast.“
Damit hatte sie Mary an der Hand genommen und eine Tuer geoeffnet. Der Flur
dahinter war breit, mit hellgrauem Marmor ausgelegt und mit
weissleuchtenden, modernen Strahlern hell ausgeleuchtet. Mary spuerte den
kalten Fussboden unter ihren nackten Fuessen, hatte das scharfe Klackern
der hohen Absaetze neben ihr im Ohr und nach einigen Biegungen keine Ahnung
mehr, wie lange sie schon gelaufen waren und wo sie war. Nur dass das Haus
ungewoehnlich gross sein musste, das wurde ihr mit jedem Schritt klarer.
„Im Moment ist hier alles noch menschenleer. Aber das wird sich in etwa
zwei Stunden aendern. Und das ist Dein neuer Arbeitsplatz.“
Es musste die Eingangshalle dieses grossen Hauses sein: aus gewaltigen
Glasflaechen, luftig und hoch, sonnendurchflutet und eindrucksvoll, nur mit
einem einzigen Moebelstueck ausgestattet, einer kleinen runden Insel mitten
inm Lichtmeer. Etwas erhoeht konnte sie eine Art Schaltpult sehen, rund und
mit schimmerndem Mahagoni verkleidet.
„Das hier ist — neben meinem — der wichtigste Platz in meiner Firma. Hier
ist der einzige Zugang und daneben die technische Voraussetzung, saemtliche
weiteren Eingangs- Moeglichkeiten abzuschirmen. Du wirst hier berechtigte
Besucher empfangen und an die entsprechenden Stellen weiterleiten. Das ist
alles. Telefone wirst Du keine finden. Es ist auch nicht noetig, Gespraeche
zu fuehren. Aber das wird auch nicht mehr moeglich sein …“
Ohne Widerspruch abzuwarten, nahm die Herrin Mary an der Hand und fuehrte
sie zwei Tueren weiter. Nach der Helligkeit draussen konnte Mary im
Halbdunkel dieses Raumes kaum etwas erkennen. Als sie sich naeher umschauen
wollte, bemerkte sie ploetzlich die Hand der neuen Herrin an ihrem
Handgelenk, dann fuehlte sie erst dort, dann an der anderen Hand etwas
zuschnappen. Bevor sie sich darueber klar wurde, ertoente ein summendes
Geraeusch und Marys Arme wurden langsam nach oben gezogen.
Als sie nur noch auf Zehenspitzen stehen konnte, hirte das Summen auf. Mary
stand mit hochgereckten Armen ausgestreckt, nackt und wehrlos mitten im
Raum.
„Meine Mitarbeiterinnen kommen gleich, um Dir die notwendige
`Arbeitskleidung` anzulegen. Bis dahin kannst Du noch eine Weile nachdenken
und Dich an Deine Rolle als stumme Dienerin gewoehnen. Mach` den Mund auf!“
Der Gummiball in Marys Mund entwickelte sogleich Eigenleben. Nach einigen
kurzen Luftstoessen hatte er ihren Kiefer so weit auseinander gedrueckt,
dass sie keinen Laut mehr von sich geben konnte. Als die kleine Pumpe
entfernt wurde, war Mary stumm. Die Tuer wurde geschlossen, aus dem
Halbdunkel wurde vollkommene Dunkelheit. Wie lange hatte es wohl gedauert?
Eine Stunde, zwei? Als die Tuer ploetzlich leise geoeffnet wurde, hatte
Mary keine Vorstellung mehr von Zeit. Der Druck um ihre Handgelenke war
ertraeglich gewesen, das Brennen ihrer durchstochenen Brustwarzen hatte
nachgelassen. Mary fuehlte sich fast wohl. Das sollte sich jetzt aendern.
Erstaunt betrachtete Mary die beiden Gestalten, die durch die Tuer
hereingetreten waren. Diesen Anblick hatte sie doch schon einmal erlebt.
Genau — das waren exakt die schlanken, schoenen Gestalten, die sich auch
schon bei ihm, dem Herren, mit ihr beschaeftigt hatten. Das waren dieselben
Korsagen, dieselben Gesichter ohne Mund, den man ihnen mit einem duennen
Latexfilm verschlossen und dann mit Makeup ueberzogen hatte.
Jetzt wurden Schraenke geoeffnet und wieder geschlossen. Dann spuerte Mary
kaltes Leder auf ihrer Haut, gleichzeitig einen Druck um ihre Taille, der
stetig zunahm. Ein Korsett also, wie sie es nun schon in etlichen
Ausfuehrungen kannte. Doch dieses Mal schien die Form aussergewoehnlich zu
sein. Tatsaechlich liess es vom gesamten Oberkoerper nur die Brueste frei,
und ging dann in eine hohe Halscorsage ueber, die erst knapp unter Marys
Nase ihren Abschluss fand.
Unten endete die immer enger rueckende Lederhuelle fast an den Knien. Jetzt
war dort das Maximum der Schnuerung erreicht. Vier Haende machten sich nun
an die Leinen ueber Marys Taille. Dort mussten lange Stahlstaebe ins Leder
eingearbeitet sein. Mary fuehlte, wie der zunehmende Druck sie allmaehlich
zwang, kerzengerade zu stehen. Dann zog sich das Halskorsett enger, gerade
so weit, dass Atmen noch problemlos moeglich war. Den Ballknebel im Mund
hatten die beiden Dienerinnen wohl vergessen?
Mary wollte protestieren, brachte aber keinen Laut zustande. Durch die
strammgezogene Lederhuelle wurde ihr Mund nun voellig verschlossen. Ein
schmaler Lederriemen, der sich ueber ihrer Nase teilte und hinten
festgeschnallt wurde verhinderte schliesslich jede restliche Kopfbewegung.
Doch was war das? Eine der Dienerinnen hatte ein „Gesicht“ hervorgezaubert,
eine helle, fleischfarbene Latexmaske, die ein laechelndes Gesicht zeigte,
taeuschend echt, nur die Augen fehlten. Jetzt ahnte Mary, was mit ihr
geschehen sollte. Behutsam wurde die laechelnde Maske ueber ihr fest
verpacktes Gesicht gezogen und am Hinterkopf zusammengeschnuert. Jetzt
waren ihre eigenen Augen Bestandteil eines Gesichts, das sie noch nie zuvor
gesehen hatte. Ein sehr schoenes Gesicht — sicherlich — aber nicht ihr
eigenes und zudem voellig unbewegt. Eine laechelnde Maske auf einem
atemberaubend schoen geformten Koerper …
Unter einer Peruecke mit langen, hellblonden Haaren verschwand Marys
eigener, kurz nachgewachsener Haarschopf. Schwarze, armlange Handschuhe und
Pumps mit sicherlich 16 Zentimeter hohen Stilettoabsaetzen
vervollstaendigten die „Arbeitskleidung“. Die Schuhe wurden mit duennen
Kettchen und jeweils einem kleinen Schloss an ihrem Fuss verschlossen.
Ausziehen war unmoeglich. Aber auch diese Schuhe hatte Mary schon einmal
getragen. Sollte es irgendwelche Zusammenhaenge zwischen ihm, dem Herren
und ihr, der Herrin geben? Doch Mary kam nicht zu weiteren Ueberlegungen.
Die Tuer hatte sich geoeffnet und sie, ihre Herrin war eingetreten.
Eindrucksvoll wie immer — eine unverkennbar weibliche Figur, schmale
Taille, grosse feste Brueste, enorm lange Beine und auch insgesamt von
eindrucksvoller Groesse, mit den ueberhohen Absaetzen fast zwei Meter.
Das knappsitzende, glaenzend schwarze Kleid spannte sich ueber jede Rundung
und endete in einem hohen Kragen. Das Gesicht war wieder unter einer
schwarzen Ledermaske

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